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Kompost - Die Basis

 

Seit jeher wird Kompost genutzt, um die Bodenfruchtbarkeit zu steigern. Im Laufe der Industrialisierung (20.Jh) ist er jedoch in den Hintergrund geraten - zu Unrecht, wie sich herausgestellt hat!

Mittlerweile wird dem Kompost aufgrund seiner positiven Eigenschaften wieder verstärkte Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei stehen die Mikroorganismen im Mittelpunkt der Forschung. Durch ihre Aktivität kommt der Kompostierprozess erst in Gange.

 

Kompost lebt

Kompost ist voller Leben. Der gewählte Kompost ist der Ausgangspunkt des Komposttees. In ihm befinden sich die Mikroorganismen, welche im Brauvorgang vermehrt werden.

Die Zahl der Organismen, die sich in einem guten Kompost befinden, ist schwer vorstellbar. Ein Teelöffel Kompost beinhaltet bis zu einer Milliarde Bakterien, Pilzhyphen in der Länge von 150-300 Meter, 10.000-50.000 Protozoen und 30-300 Nematoden.

Die Diversität beläuft sich auf eine Diversität zwischen 25.000 bis hin zu einer halben Millionen Arten in einem Gramm Kompost. Jeder Kompost ist unterschiedlich in Anzahl und Diversität an Mikroorganismen.

 

 

Ein Kompost-Tee kann nie eine höhere Bakterienvielfalt aufweisen wie der Kompost selbst! 

Das heisst, ein mikrobiell hoch aktiver, aerober Kompost ist ausschlaggebend für einen Komposttee mit hoher mikrobieller Aktivität und Diversität. Sämtliche wasserlösliche Bestandteile des Kompostes können in den Tee extrahiert werden. Daher ist es von grosser Bedeutung, dass sich keine schädlichen Nahrungsquellen im Kompost befinden, was durch sachgemässes Kompostieren gewährleistet ist. Ein guter Kompost ohne krankheitsfördernde Organismen ist grundlegend.

Wie du deinen eigenen, qualitativ hochwertigen Kompost herstellen kannst, erfährst du hier.

In Studien konnte gezeigt werden, dass die krankheitsunterdrückende Wirkung mit dem physiologischen Alter der Komposte abzunehmen scheint. Die mikrobielle Gemeinschaft hängt unter anderem vom Reifegrad ab. Jedoch spielt der Kompostierungsprozess eine wichtigere Rolle als der Reifegrad des Kompostes.

 

 

Welcher Kompost ist für welche Situation geeignet?

Um Komposttee situationsgerecht und effektiv anzuwenden ist es wichtig zu wissen, welcher Ausgangskompost jeweils am Besten geeignet ist. Bei der Kompostierung wird organische Substanz durch Mikroorganismen aerob abgebaut. Ob der Kompost pilz- oder bakterienlastig ist, hängt einerseits von den Ausgangsmaterialien zur Herstellung, andererseits vom Reifegrad des Kompostes ab.

 

Generell gilt:

Einjährige Kulturen: Von Bakterien dominierte Komposte

Mehrjährige Kulturen: Von Pilzen dominierte Komposte

Blattanwendung: Ausgeglichene Komposte

 

 

 

Kompost ist nicht gleich Kompost!

Leider wird dem Kompost häufig nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt. Komposte können sich sehr in ihrer mikrobiellen Quantität und Qualität unterscheiden. Ist hier die Rede von Kompost, meinen wir qualitativ hochwertigen Kompost. Ein vor sich hin gärender, anaerober Haufen organischer Abfälle, auf dem nach und nach die Küchenabfälle landen, beinhaltet in der Regel nicht die gewünschten, nützlichen Organismen und ist sicher nicht geeignet!

Ein qualitativ hochwertiger Kompost ist dunkel, riecht angenehm süsslich und hat eine feine Krümelstruktur. Hat der Kompost einen unangenehmen Geruch, so ist dies ein Indiz auf anaerobe Bedingungen im Laufe des Kompostierprozesses. Dieser Kompost sollte nicht verwendet werden!

 

 

Einflussfaktoren bei der Kompostierung

 

Nahrung (C:N Verhältnis)

Kohlenstoff und Stickstoff sind die Hauptnahrungsquellen der abbauenden Mikroorganismen. Dabei kommt es auf das richtige Verhältnis beider Elemente an. Ein optimales, ausgewogenes C:N-Verhältnis liegt zwischen 25-35:1 (basierend auf Gewicht). 

 

Beispiele C:N-Verhältnisse verschiedener zur Kompostierung geeigneter Ausgangsmaterialien:

 

Kohlenstoffquellen Stickstoffquellen


 

Material             C:N                   Material             C:N 
     
kleine Zweige/Äste 500:1   Beikraut (Samenfrei!)         30:1
Holzschnitzel 400:1   frisches Heu 25:1
Sägemehl 400:1   Küchenabfälle 20:1
Papiertücher 110:1   Kaffeesatz 20:1
Stroh 75:1   Mist 10-20:1
getrocknete Blätter 70:1   frischer Rasenschnitt 15:1
Heu 55:1    Luzerne/Alfalfa 12:1
getrockneter Rasenschnitt     50:1    Haare 10:1
         

 

 

Sauerstoff

Organismen, welche organische (Kohlenstoff- und Stickstoffhaltige) Substanz abbauen, benötigen Sauerstoff zur Atmung und sind daher auf aerobe Verhältnisse angewiesen. Zwar finden auch die abbauenden Prozesse ohne Sauerstoff (anaerob) statt, jedoch entstehen dabei für die Pflanzen schädliche Stoffe (z.B. Alkohol, bereits geringste Mengen zerstören Pflanzenzellen). Um die Sauerstoffverfügbarkeit für die Mikroben zu gewährleisten werden Komposte gewendet.

 

Feuchtigkeit

Eine ausreichende Feuchtigkeit schafft den Mikroben optimale Bedingungen und schützt sie vor dem Absterben oder dem Ruhezustand. Wasser ist für ihre Funktionen essentiell. 

 

Temperatur

Der Kompostierprozess ist in der Regel auf Hitze angewiesen. Diese entsteht durch die metabolische Aktivität der Mikroorganismen und sorgt für ein explosionsartiges Wachstum der Organismen. Aufgrund der sich ändernden Temperaturen im Kompostierverlauf verändert sich auch die mikrobielle Lebensgemeinschaft.

Anmerkung: Es gibt auch Kompostiermethoden unter sehr geringen Temperaturen. Dadurch dauert der Kompostierprozess wesentlich länger. Dafür entstehen wesentlich längere und stabilere Kohlenstoffketten. Zudem kann auf das arbeitsintensive Wenden des Komposts verzichtet werden. Pilze werden somit weniger gestört und sind in höheren Zahlen vorhanden.

 

 

Phasen der Kompostierung

 

 

Der Kompostierungsprozess wird in vier Phasen aufgeteilt. Diese Phasen unterscheiden sich durch unterschiedliche Organismenpopulationen, Milieubedingungen und Rottegrade. Der Verlauf dieser Phasen hängt stark von den Ausgangsmaterialien ab. Je höher der holzige Anteil im Komposthaufen ist (höheres C:N-Verhältnis), desto langsamer laufen die Prozesse ab. Auch die Pflege des Komposts (z.B. Wenden) spielt eine wichtige Rolle.

 

1. mesophile Phase (Abbauphase)

Zu Beginn der Kompostierung herrschen hauptsächlich säureproduzierende und zuckerverwertende (mesophile) Pilze vor. Sie zersetzen leicht abbaubare organische Stoffe (z.B. Proteine, Kohlenhydrate, Glycerin).

Der pH-Wert sinkt leicht, die Temperatur im Inneren des Komposthaufens steigt auf 40°C.

 

Thermophile Phase (Abbauphase)

Ist der Kompost gut zusammengesetzt, steigt die Temperatur weiter an (bis auf 75°C). Ursache der Erwärmung ist die Aktivität verschiedener (thermophiler) Bakterien, Actinobacteria und Pilze. Neben leicht abbaubaren Stoffen werden auch mittelschwer abbaubare Stoffe (Zellulose, Hemizellulose, Pektine,...) abgebaut. Die Zellulose wird weitestgehend durch Pilze zersetzt. Bei über 65°C sind keine Pilze mehr aktiv. Steigen die Temperaturen weiter an, so ziehen sich auch die Actinobacteria zurück. Somit leben hauptsächlich Bakterien im Kompost. Der pH-Wert steigt wieder leicht an.

Hier findet auch die Hygienisierung statt. Bei ordnungsgemässer Bearbeitung werden organische Toxine, Pflanzen- und Tierpathogene (Humanpathogene) sowie weitere organische Schadstoffe (Medikamente, Biozide,...) unschädlich gemacht. Auch die meisten Beikrautsamen (Unkrautsamen) verlieren ihre Keimfähigkeit bei hohen Temperaturen. Samen, die sich am Rand des Komposthaufens befinden, werden zum Keimen angeregt und so durch weiteres Wenden abgetötet.

 

Abkühlungsphase (Stabilisierungsphase)

Sind die leicht abbaubaren Substanzen abgebaut, kühlt der Kompost wieder ab. Jetzt wird er wieder von Mikroorganismen besiedelt, die entweder die thermophile Phase durch Sporen- oder Konidienbildung überlebt haben oder auch von aussen eingetragen werden. Die Temperatur sinkt wieder auf unter 40°C.

 

2. mesophile Phase (Reifephase)

Nun werden neben der restlichen Zellulose auch schwer abbaubare Stoffe wie Lignin zersetzt. Neben dem Abbau kommt es vermehrt zu Um- und Aufbauprozessen, wobei stabile Humusverbindungen entstehen. Pilze sind hier die dominierenden Organismen. Sie bauen die restlichen schwer abbaubaren Stoffe ab und sind an die eher geringere Feuchtigkeit in der Reifephase angepasst.

 

 

 

Weiterführende Informationen

In der Rubrik Buch- und Webtipps findest du ausführliche und weiterführende Informationen zur Herstellung des eigenen Komposts.

In der Rubrik Hersteller und Lieferanten kannst du kompetente Kompostieranlagen in deiner Nähe ausfindig machen.

Willst Du Deinen eigenen Kompost herstellen, so findest du unter DIY Bauanleitungen entsprechende Anleitungen.