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Pilzlastige Komposte

 

 

Pilzlastiger Kompost

Häufig bereitet es einem mehr Schwierigkeiten, einen pilzlastigen Komposttee herzustellen als einen bakterienlastigen.

Ist das Ziel ein pilzlastiger Komposttee, gilt es Folgendes zu beachten:

 

  • Pilze stellen die ersten Zersetzer von organischem Material dar. Aus diesem Grund findet man Pilze verstärkt in unreifen Komposten vor (bei Temperaturen über 65° sind keine Pilze mehr aktiv).
  • Je mehr holziges Material für die Kompostierung verwendet wird, desto pilzlastiger wird der Kompost (hohes C:N-Verhältnis).
  • Durch eine Vorbehandlung des Komposts können Pilze gefördert werden.
  • Durch die Zugabe einer Handvoll Walderde kann die Diversität der Mikroorganismen, vor allem der Pilze, gefördert werden.
  • Mykorrhizasporen eignen sich sehr gut als Zugabe am Ende des Brauvorgangs. 95% aller Pflanzen leben in Symbiose mit Mykorrhiza und helfen der Pflanze sowohl beim Nährstofftransport, als auch bei der Schaffung einer besseren Bodenbeschaffenheit.

 

Vorbehandlung des Komposts

Durch die Vorbehandlung des Komposts können Pilze gezielt gefördert werden. Dies ist besonders nützlich, wenn kein pilzlastiger Ausgangskompost zur Verfügung steht. Das Wachstum von Pilzhyphen während des Brauprozesses ist sehr schwierig. Eine Vorbehandlung fördert das Wachstum und gibt somit den Pilzen eine bessere Ausgangslage. Fraglich ist dabei jedoch, ob die Diversität der Pilze ebenfalls gefördert wird oder sich nur ein kleiner Teil der Pilzarten ausbreiten. Aus diesem Grund wird die Wirksamkeit der Vorbehandlung von Kompost durch Zusätze momentan noch untersucht (Stand: Oktober 2015).

 

Und so geht's:

  • Hafer- oder Sojamehl (hoher Gehalt an einfachen Proteinen) fein gemahlen mit Kompost mischen (Verhältnis 1:20)
  • Mischung anfeuchten (feucht, nicht nass!)
  • Mischung mit einem Tuch abdecken (zum Abdunkeln und feucht halten, gleichzeitig Sauerstoffdurchlässig)
  • An einem warmen, dunklen Ort für 3-10 Tage aufbewahren

Anmerkung 1: Bildet sich ein weisser oder blauer Pilzrasen auf der Oberfläche, mische ihn wieder unter. Ziel sind transparente und farbige Pilzhyphen. Ein Mikroskop ist dazu sehr hilfreich.

Anmerkung 2: Es konnte beobachtet werden (von Tim Wilson, Microbe Organics), dass durch das Vorbehandeln des Komposts sich von Bakterien ernährende Nematoden, welche in sehr geringen Mengen im Kompost (und vor allem im Komposttee) vorhanden sind, ebenfalls gefördert werden. Diese Beobachtung können wir bestätigen.

Anmerkung 3: Eine weitere Möglichkeit, den Kompost zur Förderung der Pilze vorzubehandeln, ist die Zugabe von verdünntem Fischhydrolysat (15ml pro Liter Kompost) zum Kompost. Anschliessend Kompost befeuchten, mit einem Tuch abdecken und für ca. 5 Tage ruhen lassen.

 

Pilzlastigen Kompost selber herstellen

Ist genügend Platz und Zeit vorhanden, empfiehlt sich die Herstellung eines pilzlastigen Komposts. Folgende Zusammensetzung ergibt einen pilzlastigen Kompost:

 

25%      Material mit hohem Stickstoffgehalt (N)
30% Grünschnitt
45% Holziges Material

 

Sobald der Komposthaufen zusammengesetzt ist, sollte er sich innerhalb von 24-72 Stunden auf 55-60°C erhitzen.

Ist das nicht der Fall, ist entweder zu wenig stickstoffhaltiges Material beigemischt worden oder die abbauenden Organismen wurden durch in den Ausgangsmaterialien enthaltene Pestizidrückstände abgetötet. Bei zu wenig Stickstoff kann man einfach weiteres stickstoffhaltiges Material beimischen. Befinden sich Pestizidrückstände im Ausgangsmaterial ist es möglich, durch die Zugabe von Melasse oder anderem Zucker (vermischt mit Wasser, 1% Melasse/Zucker) in den Komposthaufen pestizidabbauende Bakterien zu fördern. Wurden diese Bakterien ebenfalls schon abgetötet gibt es noch die Möglichkeit, kommerziell erwerbbare Bakterienpräparate dem Komposthaufen zuzufügen.

 

Hat der Komposthaufen eine Temperatur von 70°C erreicht, sollte man ihn wenden um zu vermeiden, dass die nützlichen Organismen aufgrund von übermässiger Hitze abgetötet werden.

Nach drei- bis viermaligem Wenden sollten die direkt verfügbaren Nährstoffe aufgebraucht sein, die Protozoen vermehren sich verstärkt. Die Temperatur sollte auf unter 60°C sinken. Ab 45°C beginnen Nematoden sich auszubreiten.

Wenn der Komposthaufen sich bis zur Umgebungstemperatur abgekühlt hat ist es ein Zeichen, dass der Kompost nun reif ist. Falls der Kompost zu diesem Zeitpunkt nochmals gewendet wird und sich wieder erhitzt, so ist der Kompost noch nicht reif.

In den darauffolgenden 6 Monaten (ca.) steigt die mikrobielle Diversität weiter an. Danach verliert der reife Kompost seine mikrobielle Diversität mit der Zeit wieder. Nach etwa 2 Jahren gibt es kaum noch einen Unterschied zum Oberboden (bezogen auf das mikrobielle Leben).