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Protozoen

 

Protozoen ernähren sich hauptsächlich von Bakterien, stehen in ihrer Menge also in direktem Zusammenhang mit der Anzahl an Bakterien. Dadurch werden die immobilisierten (nicht pflanzenverfügbaren) Nährstoffe in den Bakterien und Pilzen mineralisiert und somit pflanzenverfügbar. Da sich Bakterien und Pilze hauptsächlich im Wurzelbereich (Rhizosphäre) aufhalten, sind die einzelligen Protozoen ebenfalls dort und beliefern die Pflanze mit verfügbaren Nährstoffen. Studien zeigen, dass Protozoen die Bakterien an der Rhizosphäre (Rhizobakterien) beweiden und die bakterielle Gemeinschaft an der Rhizosphäre beeinflussen. Die Protozoen induzieren indirekt durch die Veränderung der Bakteriengemeinschaft die Bildung neuer Seitenwurzeln und somit die Ausscheidung weiterer Pflanzenabsonderungen (Exsudate), das Pflanzenwachstum wird gefördert. Studien deuten darauf hin, dass die indirekten Effekte der bakterienweidenden Protozoen für das Pflanzenwachstum wichtiger sind als die direkte Nährstoffmobilisierung durch Regenwürmer.

Die drei Hauptgruppen von Protozoen sind Flagellaten, Amöben und Ciliaten. Sinkt der Sauerstoffgehalt im Laufe des Brauvorgangs in den anaeroben Bereich (< 6 mg/L), so sterben die Flagellaten und Amöben ab. Aus diesem Grund ist ihre Anzahl ein guter Indikator für aerobe Bedingungen. Ciliaten hingegen tolerieren anaerobe Verhältnisse und scheinen anaerobe Bakterien als Nahrungsquelle zu bevorzugen. Somit weist eine hohe Anzahl an Ciliaten auf eine anaerobe Phase im Verlauf des Brauvorgangs hin. Viele andere Organismen im Boden wie Nematoden, Regenwürmer oder weitere Mikroarthropoden sind auf Protozoen als Nahrungsquelle angewiesen. Nicht alle Protozoen sind nützlich, einige Arten ernähren sich von Wurzeln. Jedoch wird deren Anzahl durch andere, kannibalistische Arten unter Kontrolle gehalten. Somit spielen auch die pflanzenschädlichen (pathogenen) Arten eine wesentliche Rolle im Nahrungsnetz eines gesunden Bodens.

 

Drei Faktoren sind ausschlaggebend für die Extraktion der Protozoen aus dem Kompost:

  • Aufbrechen der Aggregate zur Extraktion der Protozoen aus den ursprünglich geschützten Orten
  • Ausreichende Energiezufuhr um die Protozoen von den Oberflächen wegzuziehen und nicht zu töten
  • Minimierung der Brauzeit, während der die Protozoen Druckänderungen ausgesetzt sind, welche Zytolyse, also den Zerfall einer Zelle durch Schädigung oder Auflösung der äusseren Zellmembran, oder Bruchschaden zur Folge haben können

 

Eine Brauzeit von 24h reicht jedoch für die Vermehrung der Protozoen nicht aus, lediglich die vom Ausgangsmaterial extrahierten Organismen werden im Tee vorhanden sein. Eine gute Qualität des Ausgangskompostes ist hier ausschlaggebend. Mit längeren Brauzeiten lässt sich die Anzahl vermehren. So steigt die Anzahl nach 72 Stunden um das 3- bis 6-fache.

Aufgrund von zu hohen Temperaturen sind nur wenige Protozoen in einem unreifen, thermophilen Kompost vorhanden. Für ihre Vermehrung sind Temperaturen von unter 50°C nötig. Der Kompost sollte nach dem Unterschreiten der Temperatur mindestens eine weitere Woche abkühlen, damit sich die Protozoen vermehren können.